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EIN MEILENSTEIN FÜR DEN VERBRAUCHERSCHUTZ

Veröffentlicht von: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 14.04.2019

DIN-Normen kennen wir aus allen Lebensbereichen. Jetzt gibt es die erste DIN-Norm für Finanzberater. Sie soll Fehlberatungen verhindern.

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Will jemand eine umfassende Finanzberatung einholen und legt dafür all seine Einkommens- und Vermögensverhältnisse offen, wird diese Person bei zehn verschiedenen Finanzberatern zehn verschiedene Analyseergebnisse seiner Finanzsituation erhalten. Je nachdem, was den Banken oder Versicherern aus ihrer Sicht wichtig ist. Für den einen ist es die Absicherung, für den anderen der Vermögensaufbau, für den dritten die Altersvorsorge, den vierten Immobilieneigentum – die Liste ließe sich weiter verlängern.

Das soll eine neue DIN-Norm jetzt ändern. Die DIN 77230 „Basis-Finanzanalyse für Privathaushalte“. Nach vier Jahren und mehr als 10 000 Personenstunden intensiver Arbeit hat ein Ausschuss beim Deutschen Institut für Normung (DIN) – bestehend aus Verbraucherschützern, Finanzwissenschaftlern, Verbänden und Experten der Finanzbranche–etwas geschaffen, was ihm anfangs kaum jemand zugetraut hatte und was die Finanzberatung nachhaltig beeinflussen wird. Die DIN-Norm 77230 beschreibt einen standardisierten Prozess zur Analyse der finanziellen Situation von Privathaushalten, so dass das Ergebnis immer gleich ausfällt, ganz gleich ob ein Berater bei einer Bank oder in einer Versicherungsagentur oder ob eine Maklerin oder eine freie Finanzberaterin die Analyse durchführt.

Genormte Finanzanalyse

Die Norm ist noch jung und muss sich in der Branche erst noch durchsetzen. Aber aus Sicht des Verbraucherschutzes ist die DINNorm 77230 ein Meilenstein. Denn sie soll verhindern, dass Finanzberater am tatsächlichen Bedarf des Kunden vorbeiberaten.

Gerade für unerfahrene Geldanleger ist dies eine gute Nachricht. Tausende haben bereits schmerzhafte Erfahrungen gemacht, nachdem geschulte Verkäufer ihnen völlig ungeeignete Beteiligungen oder hochspekulative Papiere aufgeschwatzt hatten.

Doch mit dem Wildwuchs soll jetzt Schluss sein. Denn die genormte Finanzanalyse erfasst nach einem standardisierten Verfahren den Ist-Zustand eines Haushaltes und deckt dadurch mögliche Lücken auf. Sie erfasst alle Themen von A wie Auslandskrankenversicherung bis Z wie Zinsänderungsrisiko, insgesamt bis zu 42 Themenfelder. Diese Themen werden dann in einer klar definierten Rangfolge geordnet. Zuvorderst sind alle existenzbedrohenden Risiken zu eliminieren, zur zweiten Stufe gehören Maßnahmen zum Erhalt des Lebensstandards, und erst in der dritten Stufe geht es um die Verbesserung des Lebensstandards. Das Analyseergebnis ist dem Verbraucher transparent und verständlich darzulegen.

Bedarfsgerechte Beratung

Durch die Analyse nach Norm zeigt sich das höchst individuelle Bild der Finanzen des jeweiligen Verbrauchers. Auf dem kann nun – auch unter Berücksichtigung von dessen Wünschen und Zielen–die bedarfsgerechte Beratung aufsetzen. Bevor ein junger Familienvater mit regelmäßigen Beträgen ein Aktienportfolio aufbaut, sind zunächst Fragen im Falle von Berufsunfähigkeit oder Haftungsrisiken im privaten Umfeld zu klären.

DIN-Normen sind keine Gesetze, und deswegen ist niemand verpflichtet, die Norm anzuwenden. Eine Reihe von Finanzberatern – einige Banken und Versicherungen, freie Finanzberatungsgesellschaften und Maklerfirmen – haben sich dennoch bereits der DIN-Norm 77230 verschrieben. Weitere werden folgen.

Wie aber erkennen Verbraucher, ob ihr Makler oder Finanzberater die „Basis-Finanzanalyse“ durchführt? Zunächst sollten sich die Berater auf den sauberen Umgang mit der Norm schulen lassen. Wollen sie nach außen glaubhaft darstellen, dass sie die Norm 77230 beherrschen, werden sie sich durch eine unabhängige Institution zertifizieren lassen. Im Ergebnis werden die Berater dann mit einem Siegel der Zertifizierungsstelle für sich werben. Zertifizierte Berater sind bereits auf der Website des Defino Instituts zu finden.

Dr. Klaus Möller ist Vorstand der DEFINO Institut für Finanznorm AG und Obmann verschiedener Ausschüsse beim Deutschen Institut für Normung

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